Suikoden (PlayStation)

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Im Dezember 2015 feierte die Suikoden-Reihe ihr 20-jähriges Jubiläum. Grund genug um zu prüfen, ob der erste Teil der Serie den Test der Zeit besteht!

Damals

Konami war 1995 ein unbeschriebenes Blatt, was RPGs angeht. Während das Unternehmen heutzutage Schlagzeilen wegen schlechter Mitarbeiterbehandlung, dem Vergraulen von Hideo Kojima und der verstärkten Hinwendung zum Pachinko-Markt schreibt, war es Anfang der 90er vor allem für seine Arcade-Spiele und deren Portierungen auf Heimkonsolen bekannt. Dies begann sich Mitte des Jahrzehnts zu ändern. Mit Suikoden gelang also das erste hauseigene Rollenspiel auf die Playstation. Es ist sogar eines der ersten klassischen Rollenspiele überhaupt, was auf der Konsole erschien.

  • Frühe PSX-RPGs
Suikoden war nicht das erste RPG für die PlayStation. Das Japan-exklusive King’s Field (der Urgroßvater von Bloodborne) erschien 1994, der Nachfolger (im Westen als King’s Field bekannt) und das Taktik-RPG Arc the Lad im Sommer ’95. Das einen Monat vor Suikoden erschienene Beyond the Beyond von Sony darf wohl den Titel des ersten traditionellen JRPGs auf der Konsole tragen. 

Dementsprechend kann das Spiel als Bindeglied zwischen den späten SNES-RPGs und den anspruchsvollen, später erscheinenden PSX-RPGs verstanden werden. Man entschied sich beim Graphikstil des Spiels für 2D-Sprites, Experimente mit 3D-Polygonmodellen gab es auf der Konsole erst später. Jedoch ging man bei der Ästhetik der Sprites einen Schritt weiter, als es noch auf dem Super Nintendo möglich war. Statt deformierter Chibi-Sprites wie noch in Final Fantasy VI entschied man sich für größere Charaktermodelle. Die neuen technischen Möglichkeiten des Systems lassen sich auch während der Kämpfe erahnen. Zwar präsentieren sich diese als klassisch-rundenbasiert, doch durch eine sehr dynamische Kamera, die bei Angriffen raus- und reinzoomt, sowie gleichzeitig angreifende Charaktere laufen diese deutlich schneller ab als bisher gewohnt. Eine Auto-Funktion, die alle sechs Gruppenmitglieder automatisch angreifen lässt, lässt die recht häufigen Zufallskämpfe noch schneller ablaufen.

Doch der wahre Fokus des Spiels liegt auf der Geschichte und den Charakteren. Während man es aus JRPGs gewohnt ist, einen weltbedrohenden Angriff eines bösen Widersaches abzuwenden, steht in Suikoden die politisch angespannte Situation des Scarlet Moon Empires im Vordergrund. Dieses ist nämlich von korrupten Beamten und der Magie der bösen Hofzauberin Windy bedroht. Diese ist auf der Suche nach dem Soul Eater, einer der 27 Wahren Runen des Suikoden-Universums, die unheimlich große Macht beherbergen. Wie es der Zufall will, gelangt diese jedoch in die Hände unseres stummen Protagonisten, der dadurch zum Staatsfeind Nr. 1 wird. Er wird schließlich zum Kopf der Liberation Army, einer zunächst ungeordneten Rebellenarmee. Im Laufe des Spiels kann der Spieler dann bis zu 108 Charaktere für seine Sache rekrutieren, die auch ein eigenes Schloss bewohnen. Während einige Mitglieder der Armee den Spieler passiv unterstützen, indem sie Läden eröffnen, lässt sich der Großteil davon auch in Kämpfen steuern. Neben den Zufallskämpfen gibt es auch große Schlachten, die mit Hilfe eines ein Schere-Stein-Papier-Systems geschlagen werden. Kaum ein RPG hat es bis zu diesem Zeitpunkt geschafft, einen so großen Cast an Charakteren aufzustellen und in eine politische Geschichte zu weben.

Das größte Lob gebührt jedoch dem phänomenalem Soundtrack. Miki Higashino, die schon an dem Soundtrack zu Gradius arbeitete, liefert ein bis heute nur selten erreichtes Meisterwerk ab. Die Klangbreite reicht dabei von orientalischen bis barocken Klängen, jede Region und Stadt hat ein einzigartiges Stück bekommen, wodurch die Welt noch lebendiger wirkt.

Heute

Tatsächlich lässt sich Suikoden auch heutzutage noch sehr gut spielen. Die hohe Zufallskampfquote wird durch das recht flotte Kampfsystem ausgeglichen, jedoch besitzt das Spiel so gut wie keinen Schwierigkeitsgrad. Wer also eine Herausforderung sucht, wird hier nicht fündig. Und auch wenn 2D-Sprites besser altern als 3D-Polygone, wirkt das Spiel seinen farbenfrohen SNES-Genrekollegen klar unterlegen. Das Spiel krankt außerdem an weiteren Ecken: Das Inventar ist zu klein, es gibt kein Auto-Dash (dafür muss man einen besonderen Gegenstand anlegen), die Story wirkt auf dem Papier episch, ist jedoch eher pupig. Ein erfahrener Rollenspieler sollte kaum mehr als 15 Stunden zum Durchspielen brauchen, selbst mit allen Geheimnissen (wovon das Spiel außer dem Sammeln der 108 Charaktere wenige bietet). Auch ist die englische Übersetzung (auch in Deutschland erschien es nicht lokalisiert) nicht das Gelbe vom Ei und teilweise sinnentfremdend.

Jedoch lohnt sich das Spiel trotzdem, da es den Weg für das in allen Belangen bessere Suikoden II ebnet. Ein Spielstand vom Ende des Spiels kann sogar in den Nachfolger geladen werden, was einige Boni, Zusatzdialoge und sogar ein ganzes Miniquest freischaltet.

Für Sammler

Suikoden gehört nicht zu den Heiligen Grälen der PlayStation, ist aber auch nicht gerade erschwinglich. Sowohl für US- als auch PAL-Version muss man mit 50 – 80€ rechnen. Die japanische Version ist deutlich günstiger mit ca. 10€. Eine Collector’s Edition gab es nicht – dafür aber eine Version für den Saturn (nur in Japan), die man für ca. 30€ erwerben kann. Für richtige Sammler sind sicher die englischsprachige japanische PlayStation-Version (die für in Japan lebende Ausländer gedacht war) oder die seltene PC-Version des Spiels (die nur in China, Korea und Japan erschien). Aufpassen sollte man bei angeblich offiziellen Lösungsbüchern: selbst der englische Guide von Prima ist nicht offiziell.

Fazit

Man macht wenig falsch mit Suikoden. Man hat es schnell durch, es bringt einige interessante Ideen in das Genre (der Aufbau eines eigenen Hauptquartiers inkl. Bad wurde z.B. im kürzlich erschienenen Fire Emblem Fates aufgegriffen) und der großartige Soundtrack entschädigt für viele Unannehmlichkeiten. Man sollte es – ähnlich wie bei Arc the Lad – als Prolog zum Nachfolger sehen, welcher sowohl dramaturgisch, graphisch als auch beim Gameplay deutlich zulegt. Dennoch tut es nicht weh, dieses Spiel zuerst zu spielen und an die Zeiten zurückzudenken, als Konami noch für qualtiativ hochwertige Spiele stand.

Weiterführende Links

Disclaimer: Der Autor dieses Artikels ist Admin sowohl beim Suikoden Revival Movement als auch von Suikoversum.

CC BY-NC-SA 4.0 Suikoden (PlayStation) von LEVELUP! ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Mathias ist Herausgeber von LEVELUP! und seit seiner Jugend begeisterter Fan japanischer Rollenspiele. Im echten Leben ist er irgendwas zwischen Physiker und Chemiker.

2 Comments

  1. Das erste Suikoden hab ich leider noch nicht durch. Am meisten nervt mich tatsächlich das begrenzte Inventar, da ich bei jeder neuen Partyzusammenstellung ewig Gegenstände zwischen dem Lager und den Charakteren hin- und herwechsle, bis alle eine gute Ausrüstung haben. Sonst ist’s aber definitiv spielenswert.

    Etwas Feedback zum Artikel selbst: Ein paar Screenshots wären cool (auch wenn ich natürlich weiß, wie das Spiel aussieht :D). Und was meinem OCD auffällt: Die Überschrift „Für Sammler“ klebt mit dem Absatz darüber zusammen, außerdem Widerveröffentlichungen -> Wiederveröffentlichungen. Ansonsten fand ich ihn informativ und differenziert.

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