HyperPlay RPG #0 (Magazin)

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Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich auf dieses Fundstück stieß: ein gedrucktes Fanzine über Konsolenrollenspiele? Ich konnte nicht widerstehen und musste die Ausgabe #0 bestellen – ob sie was taugt, könnt ihr hier lesen.

Tatsächlich fühlte ich mich zunächst an mein eigenes Projekt erinnert. Der Fokus auf Retro-RPGs stimmt in beiden Fällen, zusätzlich konzentriert man sich beim Magazin auf Nintendo. Doch HyperPlay RPG geht noch weiter, es will nicht nur alte Gefühle durch die gewählten Inhalte erwecken, sondern schon beim Format. Denn es handelt sich um ein Fanzine, wie es früher in den 80er oder 90er Jahren hätte erscheinen können. Wer also ein professionelles Layout oder Inhalte erwartet, wird gnadenlos enttäuscht. Stattdessen steht der Grundsatz von Fans für Fans ganz klar im Vordergrund. Schon das in der Hand halten – das raue Papier, der Duft von Druckerschwärze – ruft in mir Gefühle vor, die man nur schwer wiedergeben kann.

Mit Ausgabe Nummer 0 versuchte man im Sommer 2015 also die Wasser zu testen, ob überhaupt Nachfrage für so ein Magazin besteht. Auf 40 Seiten im Format DinA 5 findet man also nun Reviews und Meinungen. Hier ist schon der erste Einschnitt: wer vollgepackte 40 Seiten erwartet, wird sicher enttäuscht. Durch das „unprofessionelle“ Layouten und das kleine Format sind einige Seiten gerade einmal halb bedruckt. Zieht man dann noch Cover, Editorial, usw. ab, erhält man effektiv etwas weniger als 30 Seiten Magazin. Doch die haben es durchaus in sich!

Das Heft bietet nur zwei JRPG-Reviews, eins zu Final Fantasy IV und eins zu Final Fantasy VI. Obwohl beide Reviews ähnlich lang sind, wird willkürlich zwischen einem „Small“ und einem „Big“ Review unterschiedenZum ersten Titel liefert man noch eine detaillierte Analyse des Einflusses des Spiels auf spätere Teile, die jedoch etwas zu sehr an der Oberfläche kratzt. Ich hätte mir hier mehr Informationen über Entstehung und Rezeption des Spiels gewünscht. Auch zu Final Fantasy VI findet sich ein zusätzlicher Artikel, nämlich den Anfang einer von Fans kreierten Romanfassung zum Spiel. Über deren Qualität mag man hier natürlich streiten, doch ist es ein cooles Extra zu einem interessanten Fanprojekt. Auf zwei weiteren Seiten gibt es kurze Tests zu Mario Kart 8, Deus Ex (Wii U) und Tiger Woods 10 (Wii). Hier hätte ich mir auch mehr Tiefe gewünscht, statt drei Minireviews würde ich lieber ein großes lesen. Zusätzlich zu diesen Reviews gibt es ein Review zu einem Review über Bahamut Lagoon aus der Edge aus dem Jahr 2003. Ein ungewöhnliches Format und mir will sich der Sinn nicht so richtig erschließen, wieso man eine über zehn Jahre Beurteilung eines Spiels rezensieren muss. Außerdem wird das Buch „1001 Video Games You Must Play Before You Die“ rezensiert (meiner Meinung nach zu wohlwollend, aber auch hier gehen wohl die Geschmäcker auseinander).

Daneben gibt es noch einige Artikel, die generelle Themen behandeln. So wird unter anderem Akihabara, das Spieleviertel in Tokio, vorgestellt, die PSP als RPG-Hochburg erklärt und Käufertipps auf ebay gegeben. Manche Themen davon sind interessanter als andere, vielleicht liegt das aber auch daran, dass man die meisten ebay-Tipps schon kennt oder weiß, dass die PSP eine klasse Plattform für Rollenspiele war. Der letzte Artikel behandelt Super Play, eine Videospielzeitschrift aus UK Mitte der 90er, das anscheinend als Hauptinspiration für das Magazin dient, was man deutlich an Namensgebung und Logodesign erkennt. Dabei erhält man einen sehr interessanten Überblick über das Magazin und es werden einige ausgewählte Ausgaben detailliert vorgestellt. Für mich ist dies der beste Artikel des Hefts, da er ein eher unbekanntes Thema (zumindest für Leute, die noch nie von diesem Magazin gehört haben) ziemlich anschaulich darstellt.

Was lässt sich insgesamt sagen? Wie bereits erwähnt, wer ein professionell designtes Magazin lesen will, ist hier komplett falsch. Es gibt zahlreiche Layoutfehler, das gesamte Heft ist in schwarz-weiß gehalten (wobei es sich nicht um billig photokopierte, zusammengetackerte Blätter handelt) und die meisten Texte sind mit ziemlich viel Witz, stellenweise sogar zu flapsig, geschrieben. Trotzdem sollten Leser, die sich von solchen Sachen nicht gestört fühlen, auf alle Fälle zugreifen, beim Preis von umgerechnet knapp 5€ macht man einfach nicht viel falsch. Man erkennt deutliche die Liebe der Redakteure zu Spielen. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die (bereits erschienene) Ausgabe 1 fokussierter und detaillierter auf einzelne Themen eingeht.

[su_box title=“Veröffentlichungsdaten“ box_color=“#262db8″ title_color=“#ffffff“] Erscheinungsdatum: Juni 2015

Seiten: 40

Sprache: Englisch

Format: DinA 5

Preis: 4,50£ inkl. Versand (ca. 5,20€)

Homepage: http://www.hyperplayrpg.com/[/su_box]

CC BY-NC-SA 4.0 HyperPlay RPG #0 (Magazin) von LEVELUP! ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Mathias ist Herausgeber von LEVELUP! und seit seiner Jugend begeisterter Fan japanischer Rollenspiele. Im echten Leben ist er irgendwas zwischen Physiker und Chemiker.

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